Angeschlagen, aber nicht ausgeknockt

Angeschlagen, aber nicht ausgeknockt

Angeschlagen, aber nicht ausgeknockt

Die Handballerinnen des VfL Stade haben am Sonnabend vor mehr als 200 Zuschauern zwar das Spitzenspiel gegen den Aufstiegsaspiranten SFN Vechta mit 25:26 verloren, bleiben aber Tabellenführer der Oberliga Nordsee. Das Ende hat es in sich.

Vor allem die letzten 15 Sekunden des hochspannenden Spiels werden in den nächsten Tagen noch für eine Menge Gesprächsstoff sorgen.

Der VfL Stade liegt drei Minuten vor dem Ende gegen Vechta mit 22:26 zurück. Es ist eigentlich aussichtslos, dieses Ergebnis noch zu drehen. Woher seine Spielerinnen letztendlich den Sprit für die letzte Aufholjagd hernahmen, kann VfL-Trainer Dennis Marinkovic nur erahnen. Er sagt, er ziehe den Hut vor der Leistung seiner Mannschaft. Mit Kampfgeist, Leidenschaft und mannschaftlicher Geschlossenheit mobilisiert der VfL die Kräfte. So geht das schon in der ganzen Saison, auch gegen spielerisch und athletisch überlegene Teams wie Werder Bremen II oder eben Vechta.

Lara Witt, Leonie Klinkmann und Mona Hoffmann erzielen drei Tore in Folge zum 25:26-Anschluss. Sekunden vor Schluss kommt der VfL sogar noch einmal in Ballbesitz. Vechta wehrt einen Pass von Julia Wichern ins Seitenaus ab, der Ball liegt direkt an der Auswechselbank des Gastes. Dort blockieren die Spielerinnen die Ausführung des Einwurfs. Die Uhr läuft runter. Die Schiedsrichter bleiben untätig und pfeifen das Spiel ab. Dennis Marinkovic läuft auf das Spielfeld und protestiert wütend. Er kann nicht verstehen, warum die Unparteiischen die Uhr nicht vorher angehalten haben. Marinkovic sagt den Schiedsrichtern deutlich, wie er deren Leistung fand.

Höchststrafe für Marinkovic

Die Schiedsrichter reagieren nach einem Zwiegespräch und zeigen Marinkovic die Rote Karte. Der Coach sieht kurze Zeit später zudem die Blaue Karte, die über die Disqualifikation hinaus ankündigt, dass es noch ein Disziplinarverfahren gegen Marinkovic geben wird.

„Das darf mir nicht passieren“, sagt der Stader Trainer am Tag danach. Allerdings gehörten Emotionen zum Sport dazu. Er habe sich geärgert, schlecht geschlafen und werde auch in zwei Wochen noch nicht verstehen, warum die Schiedsrichter so entschieden haben. Dabei räumt Marinkovic ein, dass er das Verhalten der Spielerinnen aus Vechta durchaus clever fand. Wäre er in der Situation gewesen, hätte er womöglich genauso gehandelt. Das mögliche Strafmaß für Marinkovic liegt bei einer Sperre für bis zu vier Spiele und bei einer Geldstrafe zwischen 150 und 300 Euro.

Der VfL Stade hat einen Einspruch wegen eines Regelverstoßes und letztendlich gegen die Spielwertung angekündigt. Aus Stader Sicht hätten die Schiedsrichter das vermeintlich unsportliche Verhalten an der Außenlinie bestrafen, die Uhr anhalten und einen Siebenmeter für den VfL geben müssen. Zumal es sich in den letzten 30 Sekunden der Partie abgespielt habe. Der Verein werde sich heute noch einmal beraten, ob ein Einspruch Sinn ergibt, sagt Marinkovic.

Zu viele leichtfertige Fehler

Letztendlich weiß der Stader Trainer, dass seine Mannschaft das Spiel nicht in den letzten 15 Sekunden verloren hat. Vielmehr in den ersten 50 Minuten. „Für solch ein Spitzenspiel haben wir zu viele Bälle zu leichtfertig weggegeben“, sagt Marinkovic. Die Staderinnen leisteten sich technische Fehler, schwache Pässe und ließen gute Chancen liegen. In der ersten Halbzeit warfen sie zwischen der zehnten und 20. Minute kein Tor. Dass Vechta nicht weiter wegzog, lag an der starken Abwehrleistung. Selbst die Überzahlsituationen konnten die Gastgeberinnen nicht für sich entscheiden. Erst nach dem Seitenwechsel verlagerte der VfL das Spiel wie geplant auf die Außenpositionen. Prompt lief es besser. Leonie Klinkmann traf von Linksaußen, wie sie wollte. Am Ende war sie neben Kapitänin Mona Hoffmann mit acht Toren beste Werferin ihrer Mannschaft.

Solch ein Saisonverlauf wirft die Frage nach den Aufstiegsambitionen auf. Sowohl Marinkovic als auch Abteilungsleiter Sven Klette-Matzat geben sich gelassen und vorsichtig. „Die Mädchen können da mitreden“, sagt Klette-Matzat. Finanziell könne die Abteilung den Aufstieg in die 3. Liga leisten. Ob es allerdings realistisch sei, den Kader verstärken zu können, bleibt abzuwarten. Marinkovic sagt, vielleicht sei ein Aufstieg sogar gefährlich. Nach dem Abstieg aus der 3. Liga hat der Verein bereits einen Umbruch hinter sich. Sieben Spielerinnen verließen die Mannschaft. Zudem fehle der Unterbau in der Jugend. Die Saison sei aber noch lang. Bleibt Stade weiter oben dran, werde es im Februar noch Gelegenheit dazu geben, das Aufstiegsthema zu besprechen.

Die Statistik

VfL Stade: Augustin, Brückner, Woltjen, Evers, Burandt, Klinkmann 8, Köhlmann, Pieperjohanns 1, Hoffmann 8/2, Straßheim, Cordes, Wichern 4, Witt 4/1

Siebenmeter: VfL 6/3 – SFN 5/5

Zeitstrafen: VfL 1 – SFN 4

Blaue Karte: Marinkovic (VfL Stade)

Zuschauer: 200

Nächstes Spiel: VfL Stade – HSG Hude/Falkenburg (Sbd., 8. Dezember, 18 Uhr, VLG)

Quelle: Stader Tageblatt/ Daniel Berlin