Aufstiegsfeier: Was die Oberliga-Meisterinnen vom VfL Stade so stark macht

Aufstiegsfeier: Was die Oberliga-Meisterinnen vom VfL Stade so stark macht

Die Handballerinnen des VfL Stade haben die Meisterschaft in der Oberliga und den Aufstieg in die 3. Liga perfekt gemacht. Eine verrückte Saison geht erfolgreich zu Ende. Die Spielerinnen und der Trainer sind sich einig über das Erfolgsrezept.

Jubel in der Halle des Vincent Lübeck Gymnasiums: Die Handballerinnen des VfL Stade sind vorzeitig Oberliga-Meister. Foto: Berlin

Für die Abschlussfeier der Saison mit allen Freunden, Sponsoren und Helfern ist alles vorbereitet im Stader Ratskeller. Dass die traditionelle Abschlussfeier auch gleich Meisterfeier wird, war vor Wochen längst nicht sicher. Aber auf der Zielgeraden der Saison ging der Stader Konkurrenz die Kraft aus.

Der Gegner im letzten Heimspiel des Jahres, die HSG Hude/Falkenburg, ist dafür das beste Beispiel. Die HSG startete als Mitfavorit in die Serie und galt vor wenigen Wochen noch als Spitzenmannschaft. Dann kam der Einbruch. Fünf Niederlagen in Serie. Die vorerst letzte am Sonnabend beim VfL Stade. Personell arg dezimiert spielt die HSG sehr limitiert. Der VfL Stade steckte die Rückschläge in der Saison besser weg. Das hat Gründe.

Klare Sache: VfL Stade feiert 24:18-Sieg gegen Hude/Falkenburg

Gegen die HSG Hude/Falkenburg gewinnt der VfL am Sonnabend vor 350 Zuschauern in eigener Halle mit 24:18. Die Partie hätte auch 35:20 ausgehen können. Oder noch deutlicher. Stade will in den letzten zehn Minuten seine Fans verzücken. Mit einem Kempa oder sonstigen schönen Tricks. Weil die Gastgeberinnen in der Schlussphase aber spielen, als hätten sie noch nie einen Handball in der Hand gehabt, wirft Hude neun und der VfL nur ein Tor. Aber das ist egal. Denn die 50 Minuten davor waren nahezu perfekt.

Vor dem letzten Spieltag am 28. Mai bei der SG Findorff liegt der VfL uneinholbar auf Platz eins der Oberliga-Tabelle.

Chantal Laskowski erzielt gegen Hude sechs Treffer. Foto: Struwe

Das sind die Stärker der Handballerinnen vom VfL Stade

Als VfL-Trainer Dennis Marinkovic die Mannschaft vor vier Jahren übernahm, standen zwölf Handballerinnen im Stader Kader. Drei davon waren Torhüterinnen. Marinkovic hatte sich damals die Frage gestellt, wie solch ein Team in der Oberliga bestehen soll. Der Coach formte aus dem Minikader eine funktionierende Einheit. Aber die Spielerinnen formten sich kräftig mit.

VfL-Vorstand Gunnar de Buhr formuliert es so: „Wer einmal beim Training dabei war, will nicht wieder weg. Das Team nimmt die Menschen mit. Jede wird aufgenommen, wie sie ist. Das ist mehr als Handball.“ De Buhr beschreibt den Teamgeist. Mit dem Teamgeist argumentiert der VfL bei Neuverpflichtungen.

Dieser Geist gilt spätestens seit dieser Saison als das stärkste Stader Pfund. Der VfL gewinnt die Meisterschaft trotz personeller Rückschläge. Beispiele: Spielmacherin Julia Wichern steigt nach ihrer dritten Schwangerschaft erst nach der Hälfte der Spielzeit ein. Rückraumspielerin Anja Ziegler verletzt sich im ersten Saisonspiel und ist bis heute nicht richtig fit. Haupttorschützin Lara Witt, die in normalen Jahren 140 Tore wirft, quält sich verletzungsbedingt durch die letzten Wochen. Der Corona-Ausbruch im Januar.

„Wir haben jeden Rückschlag kompensiert“, sagt Dennis Marinkovic. Seine Mannschaft, sagt der Coach, habe ihn diesbezüglich überrascht. Einen Platz unter den besten Sechs hätte er am Anfang der Saison sogar unterschrieben.

Der VfL Stade: Anneke Schumacher, Jule Wichern, Leonie Klinkmann, Chantal Laskowski, Viviane Burandt, Merle Köhlmann, Nicola Augustin, Lara Witt, Julia Michelsen, Rebecca Burandt, Lara Ebeling und Trainer Dennis Marinkovic (von links). Foto: Struwe

Ex-Bundesligaspielerin lobt Teamgeist beim VfL Stade

Da lag der Trainer offenbar falsch. „Wir haben nie gezweifelt“, sagt Linksaußen Chantal Laskowski. Es habe sich im Laufe der Saison herausgestellt, dass die Mannschaft charakterstark sei. Die Jetzt-erst-recht-Mentalität habe ungeahnte Kräfte freigesetzt. Anja Ziegler (39) würde unter normalen Umständen gar keinen Handball mehr spielen. Aber die Ex-Bundesligaspielerin macht das, weil sie mächtig Spaß hat. „Jede spielt für jede, jede springt in die Bresche. Das ist beeindruckend“, sagt sie.

Julia Wichern, wie Ziegler einst beim Buxtehuder SV in der Bundesliga, hat die Entwicklung des Teams in den vergangenen Monaten fasziniert beobachtet. „Jede macht das, was sie kann“, sagt Wichern. „Die Mannschaft ist der Star.“

Wie der VfL Stade für die 3. Liga plant

Mit dieser Basis geht der VfL Stade nächste Saison in die 3. Liga. Finanziell hat dagegen der Verein den Weg bereitet. „Wir sind gut aufgestellt, haben aber noch viel Arbeit“, sagt Finanzchef de Buhr. Er und sein Team wollen noch mehr Sponsoren davon überzeugen, dass ihr Geld beim VfL gut investiert ist. Ein Argument könnte sein, dass die Handballerinnen mannschaftssportlich gesehen in der Stadt die Nummer eins sind. Weit vor dem Fußball und noch vor dem Basketball.

Schon jetzt steht fest, dass der Klassenerhalt in der 3. Liga oberste Priorität hat. Denn die Stadt baut in Riensförde eine neue Halle. Ein Schmuckstück für 1000 Zuschauer. 2023 soll sie fertig werden. Schafft der VfL den Klassenerhalt, spielt er als Drittligist in der neuen Arena.

Die Statistik

VfL Stade: Wedel, Augustin, Euhus – Laut 2, Ziegler 1, Dubbels 6, Klinkmann 2, Grell, Köhlmann 1, Straßheim, Laskowski 6/3, Wichern 3/1, Witt 3, Noltin

Quelle Stader Tageblatt: Daniel Berlin